Der Nil
Der Nil ist kein Fluss wie jeder andere. Der längste Fluss unserer Erde beeinflusst die Kultur und die Gesellschaft eines ganzen Landes. Er ist die Lebensader des nordafrikanischen Staates Ägypten und bestimmt den Lebensrhythmus der Menschen.
Seinen Ursprung nimmt der Nil im Herzen des Kontinents Afrikas – in den Bergen von Ruanda und Burundi. Dabei besteht er aus zwei Quellflüssen, dem kurzen Blauen-Nil sowie dem deutlich längeren Weißen-Nil. Sie schlängeln sich durch insgesamt sechs afrikanische Staaten. Neben Burundi und Ruanda profitieren auch die nordafrikanischen Länder Tansania, Uganda, der Sudan und vor allem Ägypten von dem Fluss, der seinen Namen den Griechen zu verdanken hat. Schließlich mündet der Nil, von dem die alten Ägypter glaubten, er umschließe die gesamte Erde, in das Mittelmeer.
Im ägyptischen Gebiet wurde das Leben und die Kultur erst durch den Bahr an-Nil (arabisch) möglich. Denn ohne die Wassermengen wäre der Staat eine einzige große Wüste. Der Fluss teilt das Land in zwei Gebiete. Das Delta in Unterägypten sowie das Niltal in Oberägypten. Während seiner gesamten, langen Historie war und wird Ägypten immer abhängig vom Nil sein. Er ermöglichte durch seinen fruchtbaren Schlamm die Landwirtschaft und den Häuserbau. Er ermöglichte die reiche Kultur und das Leben der Ägypter. So kam es, dass die meisten Einwohner sich direkt am Ufer des Nils ansiedelten. Kanäle und künstliche Seen wurden angelegt, um auch die Wüstenregionen mit Wasser versorgen zu können. Zudem diente der Fluss als Haupthandelsweg der Menschen. Holz, Vieh, Korn, Personen, Soldaten und Materialien für die prächtigen Bauten der Pyramiden wurden auf diesem Weg in die Region geschifft, zahlreiche Häfen wurden errichtet.
Der griechische Historiker Herodot formulierte die Abhängigkeit treffend: „Ägypten ist ein Geschenk des Nils“. Doch mit der Abhängigkeit der Ägypter von ihrem Fluss kamen auch Gefahren und Nöte. So fiel die Ernte gering aus, wenn der Wasserstand zu niedrig war oder das Hochwasser zu schnell zurückging. Felder wie Dörfer wurden beschädigt oder gar zerstört; Hungersnöte, Seuchen und Aufstände waren die Folge.
Und auch heute hat der Nil eine herausragende Bedeutung. Er besitzt eine artenreiche Tierwelt, darunter das Nilpferd, die Nilgans sowie der Nilwaran. Die größten Städte, die am Ufer des Nils errichtet wurden, sind die ägyptischen Metropolen Kairo und Gizeh sowie die sudanische Hauptstadt Khartum. In den 1960er Jahren wurde im südlichen Ägypten der Assuan-Staudamm gebaut, der den Fluss zum Nassersee aufstaut, um das Hochwasser regulieren und die wirtschaftliche Nutzung des Flusses ausbauen zu können.