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Abu Simbel sind zwei gewaltige Felsentempel in Nubien am Westufer des Nassersees, die Pharao Ramses II. im 13. Jahrhundert v. Chr. erbauen ließ. In den 1960er-Jahren wurden sie wegen des Assuan-Staudamms versetzt und gehören heute zum UNESCO-Welterbe.
Kaum ein Bauwerk Ägyptens verbindet pharaonische Machtinszenierung und moderne Ingenieurskunst so eindrucksvoll wie Abu Simbel. Die beiden Tempel am Rand der nubischen Wüste zählen zu den eindrucksvollsten Zeugnissen der altägyptischen Hochkultur und zugleich zu den größten Rettungsaktionen der Archäologiegeschichte. Wer eine Reise entlang des südlichen Niltals plant, sollte diesen Ort fest einplanen – er markiert den südlichsten Höhepunkt fast jeder Ägyptenreise.
Was ist Abu Simbel?
Abu Simbel bezeichnet eine Tempelanlage aus zwei in den Felsen gehauenen Heiligtümern in Oberägypten. Der Große Tempel war den Reichsgöttern und dem vergöttlichten Ramses II. geweiht, der kleinere Tempel seiner Gemahlin Nefertari und der Göttin Hathor. Beide Tempel wurden direkt aus dem anstehenden Sandstein herausgearbeitet und nicht aus einzelnen Blöcken gemauert – eine Bauweise, die ihnen ihre monumentale Wucht verleiht und sie über drei Jahrtausende erhalten hat.
Wer ließ Abu Simbel bauen?
Bauherr war Ramses II., einer der mächtigsten Pharaonen des Neuen Reiches, der rund 66 Jahre regierte. Er ließ die Anlage im 13. Jahrhundert v. Chr. errichten, um seine Macht an der damaligen Südgrenze Ägyptens gegenüber Nubien zu demonstrieren. Die Tempel dienten zugleich religiösen Zwecken und politischer Propaganda: Reisende und Gesandte aus dem Süden sollten schon von Weitem die überlebensgroßen Sitzbilder des Pharaos sehen und die Überlegenheit des ägyptischen Reiches verstehen.
Wo liegt Abu Simbel?
Die Tempel liegen in Nubien am Westufer des Nassersees, etwa 280 Kilometer südlich von Assuan und nur rund 40 Kilometer von der sudanesischen Grenze entfernt. Diese abgelegene Lage tief im Süden Ägyptens machte Abu Simbel jahrhundertelang schwer zugänglich – erst 1813 wurde der von Sand verschüttete Große Tempel von dem Schweizer Forscher Johann Ludwig Burckhardt für die westliche Welt wiederentdeckt.
Was zeigt der Große Tempel?
Die Fassade des Großen Tempels wird von vier sitzenden Kolossalstatuen Ramses‘ II. beherrscht, die jeweils rund 20 Meter hoch sind. Über dem Eingang thront eine Darstellung des Sonnengottes Re-Harachte. Im Inneren führt eine Säulenhalle mit acht Osiris-Pfeilern in immer kleinere Räume bis zum Allerheiligsten, in dem vier Götterfiguren sitzen. Wandreliefs schildern Ramses‘ Feldzüge, allen voran die berühmte Schlacht von Kadesch gegen die Hethiter – ein propagandistisches Meisterwerk, das den Pharao als siegreichen Helden inszeniert.
Was ist der kleine Nefertari-Tempel?
Der zweite, kleinere Tempel liegt wenige Schritte nördlich und ist Königin Nefertari sowie der Göttin Hathor gewidmet. Seine Fassade trägt sechs etwa zehn Meter hohe Standbilder – vier zeigen Ramses, zwei seine Gemahlin, und ungewöhnlich für die Zeit sind Pharao und Königin gleich groß dargestellt. Das unterstreicht den hohen Rang Nefertaris. Im Inneren feiern feine Reliefs die Liebe und Verehrung zwischen dem Königspaar und den Göttern.
Was ist das Sonnenwunder von Abu Simbel?
Das Sonnenwunder ist ein präzise berechnetes Lichtphänomen: An zwei Tagen im Jahr, dem 22. Februar und dem 22. Oktober, dringen die Sonnenstrahlen am frühen Morgen rund 60 Meter tief in den Großen Tempel und beleuchten im Allerheiligsten drei der vier Götterfiguren. Nur der Gott der Finsternis, Ptah, bleibt im Dunkeln. Die beiden Daten markieren vermutlich Krönung und Geburtstag des Pharaos. Dieses Schauspiel zieht jährlich tausende Besucher und Schaulustige an, die schon vor Sonnenaufgang anreisen.
Warum mussten die Tempel versetzt werden?
In den 1960er-Jahren entstand bei Assuan der gewaltige Hochdamm, der den Nil aufstaute und den Nassersee bildete. Ohne Gegenmaßnahmen wären die Tempel von Abu Simbel in den Fluten versunken. Um dieses einzigartige Welterbe zu retten, startete eine internationale Kampagne, die zu einer der ehrgeizigsten archäologischen Rettungsaktionen der Geschichte werden sollte.
Wie wurden die Tempel versetzt?
Zwischen 1964 und 1968 zersägten Ingenieure und Steinmetze beide Tempel in über 1.000 sorgfältig nummerierte Blöcke von bis zu 30 Tonnen Gewicht. Diese wurden rund 65 Meter höher und etwa 200 Meter landeinwärts wieder zusammengesetzt – exakt in der ursprünglichen Ausrichtung, damit auch das Sonnenwunder erhalten blieb. Hinter den Tempeln verbergen sich heute künstliche Betonkuppeln, die den einstigen Berg ersetzen und das Innere tragen.
Welche Rolle spielte die UNESCO?
Die UNESCO koordinierte die internationale Rettungskampagne und sammelte Spenden aus über 50 Ländern. Der Erfolg von Abu Simbel gilt als Geburtsstunde des modernen Welterbe-Gedankens und führte 1972 zur Welterbe-Konvention. Seit 1979 sind die nubischen Denkmäler von Abu Simbel bis Philae offiziell als UNESCO-Welterbe eingetragen.
Wie kommt man nach Abu Simbel?
Es gibt drei klassische Wege ab Assuan. Am schnellsten ist der kurze Flug, der täglich verkehrt und sich für einen Tagesausflug eignet. Beliebt ist auch der frühmorgendliche Straßentransfer im bewachten Konvoi durch die Wüste, der rund drei bis vier Stunden dauert. Die entspannteste Variante ist eine Nassersee-Kreuzfahrt, bei der man sich den Tempeln langsam über das Wasser nähert – so, wie es einst gedacht war. Einen Überblick über alle Routen und Sehenswürdigkeiten gibt unsere Seite Ausflugsziele & Sehenswürdigkeiten.
Wann besucht man Abu Simbel am besten?
Die beste Reisezeit liegt zwischen Oktober und April, wenn die Temperaturen in Nubien erträglich bleiben. Die Sommermonate sind mit über 40 Grad sehr heiß. Für den Tagesablauf empfiehlt sich der frühe Morgen: Das Licht ist dann weich, die Hitze noch moderat und die großen Besuchermassen treffen oft erst gegen Mittag ein. Wer das Sonnenwunder erleben will, plant seine Reise gezielt um den 22. Februar oder 22. Oktober.
Was kostet der Eintritt nach Abu Simbel?
Für die Tempelanlage wird ein Eintrittsgeld erhoben, das regelmäßig angepasst wird; ein zusätzliches Ticket gilt für das Innere mancher Bereiche und für das Fotografieren mit professioneller Ausrüstung. Bei organisierten Ausflügen und Kreuzfahrten ist der Eintritt meist im Paketpreis enthalten. Da sich die Preise jährlich ändern, lohnt sich vor der Reise ein Blick auf die aktuellen Tarife der ägyptischen Antikenverwaltung.
Wie viel Zeit braucht man vor Ort?
Für beide Tempel sollte man mindestens zwei Stunden einplanen, um die Fassaden, die Innenräume und die beeindruckenden Reliefs in Ruhe auf sich wirken zu lassen. Wer auch die Betonkuppeln hinter den Tempeln und das nahe Visitor Center sehen möchte, plant etwas mehr Zeit ein. Beim Tagesausflug per Flug oder Konvoi bleibt der Aufenthalt meist auf zwei bis drei Stunden begrenzt – eine Nassersee-Kreuzfahrt erlaubt deutlich mehr Muße.
Wie hängt Abu Simbel mit anderen Zielen zusammen?
Abu Simbel lässt sich hervorragend mit den übrigen Höhepunkten der Region kombinieren. Ausgangspunkt ist fast immer Assuan, das selbst zahlreiche Sehenswürdigkeiten bietet – ein Besuch lohnt sich beim Ausflug Assuan. Besonders sehenswert ist der ebenfalls versetzte Philae-Tempel auf seiner Insel im Nil. Wer die Geschichte des Stromes verstehen will, der diese ganze Kulturlandschaft prägte, findet auf unserer Seite zum Der Nil spannende Hintergründe.
Lohnt sich der Aufwand für Abu Simbel?
Trotz der langen Anreise tief in den Süden Ägyptens lautet die Antwort eindeutig: ja. Abu Simbel verbindet die schiere Monumentalität der pharaonischen Kunst mit der faszinierenden Geschichte seiner Rettung. Der Moment, in dem man vor den vier riesigen Kolossen steht, gehört zu den eindrucksvollsten Erlebnissen einer jeden Ägyptenreise – ein Höhepunkt, der den frühen Aufbruch und die Strapazen der Fahrt mehr als aufwiegt.
Häufige Fragen zu Abu Simbel
Kann man im Inneren der Tempel fotografieren?
Das Fotografieren im Inneren ist nur mit einem gesonderten Foto-Ticket gestattet, das vor Ort erhältlich ist. Die Regelungen werden zeitweise verschärft, deshalb sollte man die aktuellen Hinweise an der Kasse beachten und das Personal respektieren.
Ist Abu Simbel für einen Tagesausflug machbar?
Ja. Per Flugzeug oder im frühmorgendlichen Konvoi ist ein Tagesausflug ab Assuan gut möglich. Man startet meist sehr früh und ist am Nachmittag zurück – wer es entspannter mag, wählt eine Nassersee-Kreuzfahrt.
Warum bleibt eine Götterfigur beim Sonnenwunder im Dunkeln?
Im Allerheiligsten sitzt unter anderem Ptah, ein Gott der mit Dunkelheit und der Unterwelt verbunden wird. Die altägyptischen Baumeister richteten den Tempel bewusst so aus, dass ihn das Sonnenlicht an den beiden Tagen nicht erreicht.
Sind beide Tempel original oder Nachbauten?
Es sind die echten, originalen Tempel. Sie wurden lediglich in Blöcke zerlegt und an einem höheren, sicheren Ort exakt wieder aufgebaut. Nur die tragenden Kuppeln hinter den Fassaden sind moderne Konstruktionen aus Beton.
