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Kurz erklärt: Das Ramesseum ist der Totentempel Ramses’ II. am Westufer von Luxor. Berühmt ist vor allem der umgestürzte Koloss des Pharaos, der einst über tausend Tonnen wog und den Dichter Shelley zu seinem Gedicht „Ozymandias“ inspirierte. Als ruhigerer Westufer-Tempel mit Osiris-Pfeilern und Kadesch-Reliefs ist es ein lohnender Landausflug abseits der großen Gruppen.
Von der Nilkreuzfahrten.com-Redaktion · Stand: September 2026
Zwischen den berühmten Memnonkolossen und dem Tal der Könige liegt ein Tempel, den viele Reisegruppen links liegen lassen – zu Unrecht. Das Ramesseum, der Totentempel Ramses’ II., verbindet monumentale Ruinen mit einer der schönsten Geschichten der Literaturgeschichte. Hier liegt der zersplitterte Riesenkoloss, der einen englischen Dichter zu Versen über Vergänglichkeit und Machtstreben bewog. Diese Seite erklärt, wer Ramses II. war, was das Ramesseum so besonders macht und warum sich der ruhige Landausflug lohnt.
Wo liegt das Ramesseum?
Das Ramesseum steht am Westufer des Nils gegenüber von Luxor, mitten in der thebanischen Totenstadt. Es liegt auf derselben Route wie die großen Ziele am Westufer und lässt sich gut zwischen den Memnonkolossen und dem Tal der Könige einschieben. Von den Kreuzfahrtanlegern in Luxor erreicht man das Westufer per Bus über die Nilbrücke. Weil das Ramesseum seltener auf dem Standardprogramm steht, ist es oft angenehm ruhig – ideal für alle, die die berühmten Klassiker um ein stilleres Erlebnis ergänzen möchten.
Wer war Ramses II.?
Ramses II., auch Ramses der Große genannt, war einer der mächtigsten und langlebigsten Pharaonen des Neuen Reiches und regierte rund 66 Jahre lang im 13. Jahrhundert v. Chr. Unter ihm erreichte Ägypten einen Höhepunkt an Macht und Bautätigkeit; von Abu Simbel bis Karnak tragen unzählige Bauten seinen Namen. Das Ramesseum sollte seinen Totenkult für „Millionen von Jahren“ sichern und seinen Ruhm verewigen. Wie viele seiner Bauten diente es zugleich der Selbstdarstellung eines Herrschers, der sich schon zu Lebzeiten göttliche Verehrung zusprach.
Was hat es mit dem umgestürzten Koloss auf sich?
Das unvergessliche Bild des Ramesseums ist der zersplitterte Riesenkoloss Ramses’ II. Die sitzende Statue war einst rund achtzehn Meter hoch und wog über tausend Tonnen – eine der größten Statuen, die je aus einem einzigen Steinblock gehauen wurden. Heute liegt sie zerbrochen im Sand, Kopf, Rumpf und Beine über den Boden verstreut. Gerade dieser Anblick von gestürzter Größe macht den Ort so eindrücklich: Er führt vor Augen, dass selbst die mächtigsten Herrscher der Zeit nicht entkommen.
Warum ist das Ramesseum durch „Ozymandias“ berühmt?
Der umgestürzte Koloss inspirierte 1818 den englischen Dichter Percy Bysshe Shelley zu seinem berühmten Sonett „Ozymandias“ – der griechischen Namensform Ramses’ II. Darin steht auf dem Sockel der Statue die stolze Inschrift „Mein Name ist Ozymandias, König der Könige: Seht meine Werke, ihr Mächtigen, und verzweifelt!“ – ringsum jedoch nur endlose, leere Wüste. Das Gedicht wurde zum weltberühmten Sinnbild für die Vergänglichkeit irdischer Macht. Wer im Ramesseum vor dem gestürzten Riesen steht, versteht die Wirkung dieser Verse unmittelbar.
Was gibt es sonst im Ramesseum zu sehen?
Über den Koloss hinaus bietet das Ramesseum viel zu entdecken. Erhalten sind Teile der mächtigen Pylone, ein Hof mit Osiris-Pfeilern, an denen der König als Gott Osiris dargestellt ist, und eine große Säulenhalle, deren Papyrussäulen noch aufrecht stehen. An den Wänden finden sich Reliefs der berühmten Schlacht von Kadesch gegen die Hethiter, die Ramses II. an vielen seiner Tempel feiern ließ. Hinter dem Tempel haben sich zudem ausgedehnte Lehmziegel-Gewölbe erhalten, die einst als Vorratsspeicher dienten – ein seltener Einblick in die Wirtschaft eines Tempels.
Wie unterscheidet sich das Ramesseum von anderen Westufer-Tempeln?
Am Westufer stehen mehrere große Totentempel, die man leicht verwechselt. Das Ramesseum gehört Ramses II., während das besser erhaltene Medinet Habu von seinem Nachfolger Ramses III. stammt. Die Memnonkolosse wiederum bewachten den verschwundenen Tempel Amenhoteps III. Jeder dieser Bauten erzählt von einem anderen Herrscher, und gerade im Vergleich erschließt sich die Vielfalt der thebanischen Totentempel. Das Ramesseum besticht dabei durch seine literarische Berühmtheit und die stimmungsvolle Ruine.
Wann besucht man das Ramesseum am besten?
Wie überall am Westufer sind der frühe Morgen und der späte Nachmittag ideal – dann ist es kühler und das Licht weicher. Weil das Ramesseum weniger überlaufen ist als die großen Ziele, hat man den umgestürzten Koloss oft fast für sich allein, was besonders schöne Fotos ermöglicht. Ein Besuch dauert selten länger als eine Stunde und lässt sich gut in einen halben Tag am Westufer einbauen, zusammen mit den Memnonkolossen und dem Tal der Könige.
Wie wurde das Ramesseum bekannt?
Schon antike Autoren staunten über den Tempel: Der griechische Geschichtsschreiber Diodorus beschrieb ihn als „Grabmal des Ozymandias“ und berichtete von der gewaltigen Statue. Im Zuge der napoleonischen Ägypten-Expedition wurde die Anlage genau dokumentiert, und die eindrucksvollen Stiche machten sie in Europa bekannt. Ein Teil eines kolossalen Kopfes Ramses’ II. – der sogenannte „Jüngere Memnon“ – gelangte im 19. Jahrhundert ins Britische Museum und beflügelte die europäische Ägyptenbegeisterung zusätzlich. Es war eben jener Bericht über den zerbrochenen Riesen, der Shelley zu seinem Gedicht anregte. So verbindet das Ramesseum antike Geschichtsschreibung, moderne Forschungsgeschichte und Weltliteratur an einem einzigen Ort.
Wann besucht man das Ramesseum am besten praktisch?
Der Besuch ist unkompliziert und dauert selten länger als eine Stunde. Wie überall am Westufer empfehlen sich Sonnenschutz, Kopfbedeckung, Wasser und feste Schuhe, da das Gelände offen und uneben ist. Ein Grundticket deckt den Eintritt ab; Fotografieren ist meist ohne Blitz gestattet. Weil das Ramesseum nicht auf jedem Standardprogramm steht, sollte man beim Reiseleiter gezielt danach fragen oder es in einen individuellen Westufer-Ausflug einbauen. Der frühe Morgen oder der späte Nachmittag bieten das schönste Licht für Fotos des umgestürzten Kolosses und der Osiris-Pfeiler – und die geringsten Besucherzahlen. Wer die großen Klassiker des Westufers bereits kennt, erlebt hier einen ruhigeren, nachdenklicheren Ort, an dem die Geschichte von Aufstieg und Vergänglichkeit besonders spürbar wird. Genau diese stille Wirkung, fernab der Reisebusse, macht das Ramesseum für viele zu einem heimlichen Lieblingsplatz in Theben. Wer sich für die Verbindung von Geschichte und Literatur begeistert, findet kaum einen passenderen Ort, um über die Spuren der Zeit nachzudenken. So bleibt das Ramesseum weit über den kurzen Besuch hinaus im Gedächtnis – als eindringliches Sinnbild dafür, dass selbst die größten Reiche vergehen.
Häufige Fragen zum Ramesseum
Wem gehört das Ramesseum?
Es ist der Totentempel Ramses’ II. am Westufer von Luxor. Der Name „Ramesseum“ wurde ihm später vom Ägyptologen Champollion gegeben.
Was hat das Ramesseum mit „Ozymandias“ zu tun?
Der umgestürzte Koloss Ramses’ II. inspirierte Percy Bysshe Shelley 1818 zu seinem berühmten Sonett „Ozymandias“ über die Vergänglichkeit irdischer Macht.
Wie groß war der umgestürzte Koloss?
Die sitzende Statue war einst rund achtzehn Meter hoch und wog über tausend Tonnen – eine der größten je aus einem Steinblock gehauenen Figuren.
Ist das Ramesseum überlaufen?
Meist deutlich weniger als das Tal der Könige. Viele Gruppen lassen es aus, sodass es oft angenehm ruhig ist – besonders am frühen Morgen.
Womit lässt sich der Besuch verbinden?
Sehr gut mit den Memnonkolossen, dem Tal der Könige und Medinet Habu, die alle am selben Westufer liegen und sich zu einem halben Tag verbinden lassen.
