Assuan-Staudamm

Von der Nilkreuzfahrten.com-Redaktion Aktualisiert: Juni 2026 7 Min. Lesezeit
Assuan-Staudamm

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Kurz erklärt: Der Assuan-Staudamm ist der 1970 fertiggestellte Hochdamm südlich von Assuan, der den Nil zum gewaltigen Nassersee aufstaut. Er bändigt die jährliche Nilschwemme, liefert Strom und Bewässerung – und ließ sich nur um den Preis tiefgreifender Folgen für Nubien und seine Tempel verwirklichen. Von Assuan aus ist er ein beliebtes Ausflugsziel.

Von der Nilkreuzfahrten.com-Redaktion · Stand: Juni 2026

Der Assuan-Staudamm zählt zu den prägendsten Bauwerken des modernen Ägypten und steht symbolisch für den Aufbruch des Landes im 20. Jahrhundert. Wer eine Nilkreuzfahrt in Assuan beginnt oder beendet, hat den Damm meist in greifbarer Nähe und kann ihn mit weiteren Sehenswürdigkeiten der Region verbinden. Diese Seite erklärt, wie und warum der Hochdamm gebaut wurde, welche Technik dahintersteckt, welche Folgen er hatte und wie er sich als Ausflugsziel ab Assuan einfügt.

Was ist der Assuan-Staudamm?

Der Assuan-Staudamm – arabisch Sadd el-Ali, „Hochdamm“ – ist ein gewaltiger Damm im Süden Ägyptens, der den Nil rund 13 Kilometer stromaufwärts von Assuan aufstaut. Er besteht nicht aus einer schlanken Betonmauer, sondern aus einem mächtigen Schüttdamm aus Sand, Schotter und Geröll mit einem abdichtenden Lehmkern und einem schützenden Betonmantel. Mit etwa 3,6 Kilometern Kronenlänge an der Basis und rund 111 Metern Höhe ist er ein Bauwerk von kontinentalen Dimensionen. Hinter ihm erstreckt sich der Nassersee, einer der größten Stauseen der Erde.

Wo liegt der Hochdamm genau?

Der Hochdamm liegt im äußersten Süden Ägyptens am Ersten Nilkatarakt, der natürlichen Felsbarriere, die schon in der Antike die Grenze nach Nubien markierte. Von der Stadt Assuan sind es nur wenige Kilometer flussaufwärts. Sieben Kilometer nördlich des heutigen Hochdamms steht noch die alte Staumauer aus britischer Kolonialzeit, die 1902 unter dem Ingenieur William Willcocks fertiggestellt wurde und den Wasserstand erstmals regulierte. Die Lage am Katarakt war kein Zufall: Hier verengt sich das Niltal, und der felsige Untergrund bot die nötige Standfestigkeit für ein Bauwerk dieser Größe. Mehr zur Natur dieser Stromschnellen erfährst du auf unserer Seite zu den Katarakten des Nils.

Wann und wie wurde der Staudamm gebaut?

Der Bau des neuen Hochdamms begann 1960, rund sieben Kilometer südlich des alten Damms, und wurde 1970 abgeschlossen; die feierliche Einweihung folgte 1971. Das Projekt galt als nationales Prestigevorhaben unter Präsident Gamal Abdel Nasser und wurde nach der Absage westlicher Geldgeber maßgeblich mit sowjetischer technischer und finanzieller Unterstützung verwirklicht. Zehntausende Arbeiter schichteten über Jahre hinweg gewaltige Mengen Geröll und Sand auf. Der fertige Damm enthält ein Vielfaches des Bauvolumens der Cheops-Pyramide von Gizeh und war für das junge, unabhängige Ägypten ein Symbol von Fortschritt und Souveränität.

Wie funktioniert der Staudamm technisch?

Der Hochdamm staut den Nil zu einem riesigen Reservoir auf und gibt das Wasser kontrolliert wieder ab. Im Kern wirkt ein wasserundurchlässiger Lehmdichtungskern, der von gewaltigen Aufschüttungen aus Schotter und Sand gestützt wird; ein Betonmantel schützt das Bauwerk an der Wasserseite. Durch Tunnel im Damm strömt das Wasser zu den Turbinen des angeschlossenen Kraftwerks. Zwölf Generatoren erzeugen daraus bis zu 2,1 Gigawatt elektrische Leistung. Über Schleusen und Auslässe lässt sich die Wasserabgabe an den Bedarf der Landwirtschaft anpassen, sodass der Nil flussabwärts ganzjährig eine planbare Wassermenge führt.

Wie groß ist der Nassersee?

Der durch den Damm aufgestaute Nassersee ist einer der größten künstlichen Seen der Welt. Er erstreckt sich über rund 550 Kilometer Länge weit nach Süden bis in den Sudan, wo er als Nubia-See bezeichnet wird, und fasst durchschnittlich etwa 135 Milliarden Kubikmeter Wasser. Benannt ist er nach Präsident Gamal Abdel Nasser. Der See dient als gigantischer Wasserspeicher, der Dürrejahre überbrückt und Hochwasser abfängt. Heute ist er zugleich ein eigenes Reiseziel: Auf seinen Fluten verkehren exklusive Schiffe zu den geretteten Tempeln Nubiens, wie unsere Seite zur Nassersee-Kreuzfahrt ausführlich beschreibt.

Was hat der Staudamm Ägypten gebracht?

Das zentrale Ziel war die Kontrolle über die jährliche Nilschwemme, die das Land über Jahrtausende mal segensreich, mal verheerend überschwemmt hatte. Die Vorteile sind beträchtlich: Der Damm schützt das dicht besiedelte Niltal vor zerstörerischen Überschwemmungen ebenso wie vor Dürren, weil der Nassersee Wasser über mehrere Jahre speichert. Die ganzjährige Bewässerung ermöglichte zwei bis drei Ernten pro Jahr statt nur einer und vergrößerte die nutzbare Ackerfläche erheblich. Das Wasserkraftwerk lieferte dem Land über Jahre einen Großteil seines Stroms und trieb die Elektrifizierung voran. In Dürrejahren wie in den 1980er-Jahren bewahrte der gespeicherte Vorrat Ägypten vor einer Hungerkatastrophe.

Welche negativen Folgen hatte der Bau?

Den Vorteilen stehen erhebliche Nachteile gegenüber. Der fruchtbare Nilschlamm, der die Felder über Jahrtausende natürlich düngte, bleibt nun im Stausee zurück; flussabwärts müssen die Bauern auf Kunstdünger ausweichen, der die Wasserqualität belastet und zum Rückgang der Fischbestände beitrug. Ohne den Schlammnachschub geht das fruchtbare Nildelta an der Mittelmeerküste langsam zurück und wird vom Meer abgetragen. Hinzu kommen eine verstärkte Versalzung und Versumpfung mancher Böden sowie eine erhöhte Verdunstung über der riesigen Seefläche. Der Staudamm bändigte den Strom – doch er unterbrach auch einen uralten natürlichen Kreislauf.

Was geschah mit Nubien und seinen Tempeln?

Der steigende Nassersee überflutete die angestammte Heimat der Nubier, eines eigenständigen Volkes mit eigener Sprache und Kultur im Grenzgebiet von Ägypten und Sudan. Rund 100.000 bis 120.000 Menschen mussten ihre Dörfer verlassen und wurden in neue Siedlungen umgesiedelt, viele in die Region um Kom Ombo nördlich von Assuan. Zugleich bedrohte das Wasser zahlreiche Kulturdenkmäler: Zwischen 1960 und 1980 koordinierte die UNESCO deshalb eine beispiellose internationale Rettungskampagne. Mehr als 20 Tempel wurden Block für Block zersägt, nummeriert und höher gelegen wieder aufgebaut – darunter der Felsentempel von Abu Simbel, der rund 60 Meter höher versetzt wurde, und der Isis-Tempel von Philae bei Assuan, den man auf die Insel Agilkia umsetzte. Diese Aktion gilt als Meilenstein des internationalen Denkmalschutzes.

Wie besucht man den Staudamm von Assuan aus?

Der Hochdamm ist ein klassischer Programmpunkt jedes Aufenthalts in Assuan und liegt nur eine kurze Fahrt vom Stadtzentrum und von den Anlegern der Nilschiffe entfernt. Vom Damm aus genießt du einen weiten Blick über den Nassersee auf der einen und den Lauf des Nils auf der anderen Seite. Meist wird der Besuch mit weiteren Höhepunkten der Region zu einem Halbtagesausflug verbunden – etwa mit dem Philae-Tempel und dem Unvollendeten Obelisken in den antiken Steinbrüchen. Die angenehmste Reisezeit liegt zwischen Oktober und April, wenn die Tage warm und trocken bleiben; mehr dazu auf unserer Seite zum Klima am Nil. Wie sich ein Besuchstag zusammensetzt, zeigt unsere Übersicht zum Ausflug in Assuan.

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Häufige Fragen

Wann wurde der Assuan-Staudamm gebaut?

Der Bau des Hochdamms begann 1960 und wurde 1970 abgeschlossen; die offizielle Einweihung fand 1971 statt. Er entstand rund sieben Kilometer südlich des älteren, um 1902 fertiggestellten Staudamms.

Wie groß ist der Assuan-Staudamm?

Der Hochdamm misst an der Krone rund 3,6 Kilometer Länge und ist etwa 111 Meter hoch. Sein Bauvolumen übertrifft das der Cheops-Pyramide um ein Vielfaches, was ihn zu einem der größten Schüttdämme der Welt macht.

Warum war der Staudamm umstritten?

Der Damm brachte Hochwasserschutz, Strom und ganzjährige Bewässerung, hatte aber auch Schattenseiten: Der fruchtbare Nilschlamm bleibt im See zurück, das Delta geht zurück, und rund 100.000 Nubier mussten umgesiedelt werden.

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