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Kurz erklärt: Wadi es-Sebua, das „Tal der Löwen“, ist ein Felsentempel Ramses‘ II. am Ufer des Nassersees. Seinen Namen verdankt er der langen Sphingenallee, die zum Pylon führt. Wie viele nubische Tempel wurde er in den 1960er-Jahren vor dem steigenden Wasser gerettet und versetzt. Zusammen mit den nahen Tempeln von Dakka und Maharraqa ist er ein Höhepunkt jeder Nassersee-Kreuzfahrt.
Von der Nilkreuzfahrten.com-Redaktion · Stand: September 2026
Tief im Süden, weit jenseits der klassischen Kreuzfahrtstrecke, liegt eine der stimmungsvollsten Tempelgruppen Ägyptens. Wadi es-Sebua empfängt seine Besucher mit einer Allee steinerner Sphingen, die durch den goldenen Wüstensand zum Pylon führt – ein Bild wie aus einem Abenteuerfilm. Weil der Ort nur per Schiff erreichbar ist, gehört er zu den ruhigsten und ursprünglichsten Zielen des Landes. Diese Seite stellt den Tempel Ramses‘ II., seine Nachbarn und die bewegende Rettungsgeschichte vor.
Woher stammt der Name „Tal der Löwen“?
Der arabische Name Wadi es-Sebua bedeutet „Tal der Löwen“ und bezieht sich auf die Reihe von Sphingen, die den Zugang zum Tempel säumen. Sphingen – Mischwesen mit Löwenkörper – galten als Wächter heiliger Orte. Die Allee verleiht der Anlage einen feierlichen, fast theatralischen Auftakt und ist zugleich ihr unverwechselbares Erkennungszeichen. Kaum ein anderer nubischer Tempel bietet einen so eindrucksvollen Zugang, und gerade im tief stehenden Licht des frühen Morgens oder späten Nachmittags entfalten die Sphingen ihre volle Wirkung.
Wer ließ den Tempel errichten?
Erbaut wurde Wadi es-Sebua unter Ramses II., dem großen Bauherrn des Neuen Reiches, der auch für Abu Simbel verantwortlich war. Der Tempel ist zur Hälfte frei stehend und zur Hälfte in den Fels gehauen – ein für Nubien typischer Mischtyp. Geweiht war er den Göttern Amun-Re und Re-Harachte sowie dem vergöttlichten König selbst. In den Reliefs erscheint Ramses damit gleich mehrfach: als Bauherr, als Verehrer der Götter und als Gott, der Opfer empfängt. Diese Selbstverherrlichung ist charakteristisch für seine lange, machtvolle Regierungszeit.
Was hat es mit den christlichen Spuren auf sich?
Eine Besonderheit von Wadi es-Sebua sind die Zeugnisse seiner späteren Nutzung. In christlicher Zeit wurde der Tempel als Kirche verwendet und teilweise übermalt. Dadurch entstand ein kurioses Bild: An einer Stelle scheint der Pharao einem christlichen Heiligen Opfer darzubringen, weil ein antikes Relief und eine spätere Übermalung übereinanderliegen. Solche Überlagerungen erzählen von der wechselvollen Geschichte Nubiens, in der sich altägyptische, römische und christliche Epochen an denselben Mauern ablesen lassen – ein faszinierendes Palimpsest aus Stein und Farbe.
Welche Tempel stehen in der Nachbarschaft?
Bei der großen Rettungsaktion wurden mehrere Denkmäler an den Ort von Wadi es-Sebua gebracht, sodass hier heute eine ganze Tempelgruppe steht. Ganz in der Nähe erhebt sich der Tempel von Dakka mit seinem hohen, gut erhaltenen Pylon, den man besteigen kann, sowie der kleinere Tempel von Maharraqa. So lassen sich an einem einzigen Halt gleich mehrere nubische Bauwerke unterschiedlicher Epochen erleben – von der Ramessidenzeit bis in die griechisch-römische Periode. Diese Konzentration macht den Stopp besonders lohnend.
Wie erreicht man Wadi es-Sebua?
Der Tempel liegt weit im Süden am Westufer des Nassersees und ist ausschließlich per Schiff erreichbar – es führt keine touristische Straße dorthin. Damit ist er den Gästen einer Nassersee-Kreuzfahrt vorbehalten, die auf ihrem Weg zwischen Assuan und Abu Simbel hier anlegt. Genau diese Abgeschiedenheit macht den Reiz aus: Man geht direkt vom Schiff an Land, quert den Wüstensand und steht kurz darauf vor der Sphingenallee, ohne Gedränge und Souvenirstände.
Für wen lohnt sich der Besuch?
Wadi es-Sebua ist ein Ziel für alle, die das ursprüngliche, stille Ägypten suchen und bereit sind, für ein besonderes Erlebnis den Weg in den Süden zu nehmen. Wer die großen Klassiker zwischen Luxor und Assuan bereits kennt, findet hier eine völlig andere Atmosphäre: Wüste, Wasser und Tempel in einer weiten, menschenleeren Landschaft. In Kombination mit Kalabsha und Amada ergibt sich ein rundes Bild der geretteten nubischen Kultur, das die klassische Nilkreuzfahrt eindrucksvoll ergänzt.
Wie läuft der Landgang ab?
Der Besuch von Wadi es-Sebua hat etwas Expeditionshaftes. Das Kreuzfahrtschiff ankert in einer Bucht des Nassersees, und die Gäste gehen über einen kurzen Weg durch den Wüstensand an Land – ohne Busparkplätze, Absperrungen oder Händlerreihen. Vor einem erhebt sich die Sphingenallee, dahinter der Pylon, ringsum nur Sand, Fels und der weite See. Weil die Schiffe ihre Halte so legen, dass die Tempel im schönsten Licht liegen, findet der Landgang oft am frühen Morgen oder am späten Nachmittag statt. Diese Stille und Ursprünglichkeit unterscheidet den Süden grundlegend von den belebten Anlagen zwischen Luxor und Assuan und macht den Besuch zu einem sehr persönlichen Erlebnis.
Was macht die nubischen Tempel besonders?
Die Tempel Nubiens erzählen von einer Grenzregion, in der sich ägyptische und afrikanische Kultur begegneten. Ägypten sicherte hier über Jahrhunderte seine Südgrenze, kontrollierte den Handel mit Gold, Elfenbein und exotischen Waren und demonstrierte seine Macht mit monumentalen Bauten wie Wadi es-Sebua und Abu Simbel. Zugleich verehrte man lokale Gottheiten und verschmolz sie mit den großen Reichsgöttern. Diese Mischung, die abgeschiedene Lage und die dramatische Rettung vor dem Wasser geben den nubischen Denkmälern einen ganz eigenen Charakter – ferner, stiller und geheimnisvoller als die berühmten Tempel des Nordens.
Praktische Tipps für den Besuch
Da Wadi es-Sebua mitten in der Wüste liegt, sollte man sich auf Sonne und Sand einstellen: Kopfbedeckung, Sonnenschutz, ausreichend Wasser und festes Schuhwerk für den Weg über den lockeren Boden sind wichtig. Der Landgang findet oft in den kühleren Morgen- oder Abendstunden statt, was zugleich das schönste Licht für Fotos der Sphingenallee bietet. Weil es an diesem abgelegenen Ort keine Infrastruktur gibt, richtet sich der Ablauf ganz nach dem Programm des Schiffes; der Reiseleiter führt durch die Tempelgruppe und erklärt die Geschichte der Rettung. Wer die Zeit hat, sollte nach der Führung noch einen Moment allein bleiben und die einzigartige Stille dieses Ortes auf sich wirken lassen – ein Erlebnis, das man in den belebten Tempeln des Nordens vergeblich sucht. Denke außerdem an eine Sonnenbrille gegen das grelle Licht über dem Wasser und an eine leichte, langärmelige Kleidung, die zugleich vor Sonne schützt und in klimatisierten Innenräumen des Schiffes wärmt. Mit dieser kleinen Vorbereitung bleibt der Ausflug auch bei Hitze rundum angenehm. So wird Wadi es-Sebua zu einem der eindrucksvollsten und persönlichsten Halte der gesamten Reise durch Nubien.
Häufige Fragen zu Wadi es-Sebua
Was bedeutet der Name Wadi es-Sebua?
Er bedeutet „Tal der Löwen“ und bezieht sich auf die Allee aus Sphingen, die zum Pylon des Tempels führt. Sphingen galten als Wächter des heiligen Ortes.
Wer ließ den Tempel bauen?
Ramses II. im 13. Jahrhundert v. Chr. Der Tempel ist halb frei stehend, halb in den Fels gehauen und war Amun-Re, Re-Harachte und dem vergöttlichten König geweiht.
Warum wurde er versetzt?
Wegen des steigenden Nassersees nach dem Bau des Assuan-Staudamms. Im Rahmen der UNESCO-Kampagne wurde der Tempel abgetragen und an höherer Stelle wieder aufgebaut.
Welche Tempel stehen daneben?
Die ebenfalls versetzten Tempel von Dakka und Maharraqa. So lassen sich an einem Halt mehrere nubische Bauwerke verschiedener Epochen besichtigen.
Wie kommt man dorthin?
Ausschließlich per Schiff auf einer Nassersee-Kreuzfahrt. Eine touristische Straße gibt es nicht, was den Ort besonders ruhig und ursprünglich macht.
